FÄHIGKEIT, ERFAHRUNG, EIGENSTÄNDIGKEIT!
Es sind nur drei Worte, die ohne Arbeit leer blieben. Der Tag der Arbeit
erinnert daran, dass genau hier sein eigentlicher Kern liegt: nicht in der
Arbeit als Belastung, sondern in ihr als Voraussetzung dafür, dass etwas
entstehen kann.
Überträgt man diesen Gedanken auf das Deutschlernen, wird er konkret.
Wer Deutsch lernt, arbeitet. Nicht im Sinne einer Pflicht, sondern im
Vollzug. Sprache entsteht dort, wo formuliert wird, wo Unsicherheit bleibt,
wo Sätze nicht sofort tragen und weitergeführt werden müssen. In diesen
Momenten bildet sich, was später als Können erscheint.
Diese Arbeit lässt sich nicht ersetzen.
Sie lässt sich erleichtern, unterstützen und beschleunigen. Aber sie lässt sich
nicht auslagern, ohne dass sich ihr Ergebnis verändert. Genau hier
verschiebt sich derzeit etwas: Sprachliche Ergebnisse sind jederzeit
verfügbar. Das erhöht die Effizienz, verändert aber den Bezugspunkt. Nicht
mehr das eigene Hervorbringen steht im Zentrum, sondern das, was sich
technologisch erzeugen lässt.
Das ist kein Einwand gegen Technologie. Es ist eine Frage der Maßstäbe.
Was bedeutet es, eine Sprache wie Deutsch zu können, wenn der Weg
dorthin keine Rolle mehr spielt?
Der morgige 1. Mai erinnert daran, dass Arbeit nicht nur reduziert, sondern
als Voraussetzung von Handlung ernst genommen werden muss. Das gilt
auch für die Sprache. Wenn der Prozess des Lernens nur noch als Hindernis
erscheint, das es zu umgehen gilt, gerät etwas aus dem Blick: die
Souveränität über den eigenen Ausdruck.
Das Handwerk des Wortes ist kein nostalgischer Rest. Es ist die Grundlage
sprachlicher Eigenständigkeit!
In diesem Sinne einen ertragreichen 1. Mai.
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