Fehlerfreie Reproduktion reichte beim Spracherwerb noch nie aus. Doch warum hängen wir so oft an ihr fest?
Die Antwort ist simpel: Sie war über lange Zeit vergleichsweise leicht sichtbar, messbar und prüfbar. Deshalb hat sie in vielen Lern- und Prüfungslogiken eine zentrale Rolle eingenommen. Aber spiegelt das die Realität wider?
Wo die wahre Herausforderung liegt
Die eigentliche Herausforderung sprachlicher Handlungskompetenz lag schon immer dort, wo Sprache unter realen Bedingungen flexibel verfügbar sein muss. Echte Sprachbeherrschung zeigt sich erst dann, wenn:
- Spontane Reaktionen gefragt sind.
- Missverständnisse aktiv geklärt werden müssen.
- Kreative Formulierungen entstehen.
- Improvisiert werden muss, weil der vorbereitete Satz nicht mehr trägt.
Kurz gesagt: Dort entstehen echte kommunikative Muskeln.
Wenn das Training das Handeln ersetzt
Versteh mich nicht falsch: Wortschatz, Grammatik und Wiederholung bleiben selbstverständlich notwendig. Problematisch wird es jedoch dann, wenn das sprachliche Hanteltraining das Handeltraining ersetzt und sichtbare Fortschritte mit tatsächlicher sprachlicher Handlungssicherheit verwechselt werden.
Genau dieser Frage gehe ich in einer der nächsten Ausgaben meines Newsletters „Deutsch mal anders“ ausführlicher nach.
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